#1

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 13.07.2011 10:07
von Andreas K | 199 Beiträge

Moin, moin,

neulich hatte ich eine knifflige Situation die ich euch nicht vorenthalten will.

Turnier in 3er Flights. Abschlag auf der 9. Mit dem Hybrid kurz vor den Graben. Zweiter Schlag mit dem Eisen 6 sliced rechts vor das Grün.
Da ist natürlich das Wasserhindernis. Die Pflöcke sind aber so gesteckt, das in Richtung der 6ten Spielbahn das Wasserhindernis endet, dass Rough aber noch kniehoch weitergeht.
Ich bin mir nicht sicher, ob der Ball im Hindernis ist oder im Rough liegt. Gleiches sagt ein Mitbewerber in meiner Flight. Daraufhin spiele ich einen provisorischen Ball. Der bleibt 80 cm neben der Fahne liegen (Sonntagsschlag!).

Mit folgenden Regelverständnis gehe ich nach vorn um den Ball zu suchen:
- Finde ich den Ball, zählt der provisorische Ball nicht und ich muss, je nach Lage des ersten Balls weitermachen. Also aus dem Rough spielen oder falls der Ball im Hindernis liegt nach den normalen "Wasser-Regeln" verfahren.
- Finde ich den Ball nicht, zählt der provisorische Ball. Da ich nicht weis, ob er im Wasser gelandet ist oder im Rough verloren ist, gilt der Ball nach Regel 27-1 als "verlorener Ball".

Es kommt aber anders! Beim Suchen des Balls sagt der dritte Mann in meiner Flight: "Ich bin sicher, das der Ball im Wasser gelandet ist."

Und nun?

In der Regel 26-1 "Erleichterung für Ball im Wasserhindernis steht":

... Um diese Regel anwenden zu können, muss es bekannt sein oder so gut wie sicher sein, dass der Ball in dem Wasserhindernis ist. Fehlt es an der Kenntnis oder der Gewissheit, so muss der Spieler nach Regel 27-1 verfahren. ...

Auf einmal scheint es sicher zu sein, das der Ball im Wasser ist. Damit hätte ich den provisorischen Ball gar nicht spielen dürfen. Die Kenntnis hatte ich aber erst, nachdem ich den provisorischen Ball gespielt habe.

Den Ball haben wir nicht gefunden. Ich habe dann beim Wasserhindernis gedroppt und aus dem sicheren Bogey wurde ein Doppelbogey. Übrigens, der eine Schlag war der Unterschied zwischen 36 und 37 Netto. Extrem ärgerlich!

Keine Ahnung, ob das alles so richtig war. Was meint den ihr?

Beste Grüße

Andreas


"Wenn Du denkst es ist schwierig neue Leute kennenzulernen, versuch mal den falschen Golfball aufzuheben."
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#2

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 13.07.2011 12:08
von Janek Abels | 35 Beiträge

Hallo Andreas,

ich würde behaupten, dass Du nicht regelkonform gespielt hast. Sobald der Provisorische Ball gespielt ist, muss dieser auch weitergespielt werden, sofern der erste Spielball nicht gefunden wird. Findest Du den ersten Ball, musst Du natürlich diesen Ball weiterspielen.
Droppen darfst bzw. musst Du nur, wenn Du den Ball im Wasserhindernis wiederfindest.

Wie Du mir schon erzählt hast, wolltest Du einen Regelball spielen. Das hättest Du auf jeden Fall machen sollen, damit geht man immer zunächst auf Nummer sicher.

Gruß Janek

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#3

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 13.07.2011 21:14
von Paddy B | 40 Beiträge

Moin Leute,

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt alles so richtig verstanden habe. 2 sind sich nicht sicher, ob der Ball im Wasser ist oder evtl. im hohen Gras liegt. Dritte Person ist der Meinung, dass er im Wasser liegt.

Ich kann mich nicht daran erinnern, welche Stimme mehr wiegt, aber nach Decision 27-2a/2.2 darfst du einen provisorischen Ball auch dann spielen, wenn er im Wasser liegen könnte. Da du den Ball nicht gefunden hast, hättest du meiner Meinung nach den provisorischen Ball weiterspielen sollen.

Hilft das?

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#4

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 14.07.2011 11:24
von Andreas K | 199 Beiträge

Hallo Jungs,
danke für die Kommentare.

Erstmal zwei Dinge für Paddy zur Erklärung. Die Aussage von Spieler #3, dass der Ball sicher im Hindernis ist kam erst nachdem ich den provisorischen Ball gespielt habe. Hätte er das gleich gesagt, wäre ich nicht berechtigt gewesen einen provisorischen Ball zu spielen.

Wenn Janek recht hätte, habe ich mich zu meinem eigenen Nachteil regelwidrig verhalten. Na, dass wäre ja mal eine besonders schlaue Aktion.

Um mich nicht ganz so trottelig zu fühlen habe ich bei Rules4you nachgelesen und bei den Erläuterungen zur Regel 27-2 "Provisorischer Ball" habe ich zwei interessante Abschnitte gefunden.

Erstens:

... Um in dem vorstehenden Beispiel nach der Wasserhindernisregel verfahren zu dürfen, muss der ursprüngliche Ball entweder im Wasser gefunden werden oder es muss eine andere Person (z. B. aus einer anderen Spielergruppe oder Zuschauer) bestätigen, dass der Ball im Wasserhindernis ist. ...

Das wäre hier der Fall. Eine andere Person, nämlich Spieler #3 in unserer Flight hat gesehen, dass der Ball im Hindernis gelandet ist. Also muss ich nach den Wasserregeln verfahren.
Jetzt könnte man ja sagen: "Na, dann zählt der provisorische Ball." Denn nach den Wasserregeln kann man ja auch vom ursprünglichen Punkt mit einem Strafschlag weiterspielen. Das ist wohl aber nicht so, denn ...

Zweitens:

... Er kann auch nicht weiter gespielt werden, falls der Spieler den ursprünglichen Ball für unspielbar ansieht, da er nicht zu diesem Zweck geschlagen wurde. Ein „unspielbarer Ball" ist ein anderer Fall ...

Auch im meinen Fall wurde der provisorische Ball aus einem anderen Zweck gespielt. Ich habe ihn gespielt in der Annahme, das der Ball außerhalb des Hindernisses verloren sein könnte. Spieler #3 hat aber bestätigt, dass dies nicht der Fall ist.

So betrachtet, war im Nachhinein doch alles richtig, oder?

LG

Andreas


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#5

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 14.07.2011 12:49
von Paddy B | 40 Beiträge

Hey,

Scheinbar hast du alles richtig gemacht. Das heißt für mich nun, dass man nach jedem Schlag, der verzogen ist ALLE Spieler fragt, wo der Ball sein könnte.

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#6

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 14.07.2011 13:14
von Andreas K | 199 Beiträge

Hi Paddy,

schön das du mir Recht gibst. Trotzdem hat Janek einen Punkt, wenn er sagt ich hätte einen Regelball spielen sollen. Keine Ahnung, warum ich da Hemmungen gehabt habe. Nächstes Mal mache ich das auf jeden Fall.

Gruß

Andreas


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#7

RE: Ist der nun im Wasser oder nicht?

in Golfregeln 07.06.2013 22:37
von Janek Abels | 35 Beiträge

Moin Moin zusammen,

ich habe soeben eine interessante Decision gefunden, die zwar nicht zum vorherigen Fall von Andreas passt, aber ganz gut zum Titel des Themas.

"Frage:
Die Pfähle zur Bezeichnung der Grenze eines Wasserhindernisses sind ungenau gesteckt worden. Dies hat zur Folge, dass ein Bereich, der ersichtlich Teil des Wasserhindernisses ist, außerhalb der Pfähle und deshalb rein formal außerhalb des Wasserhindernisses ist. Der Ball eines Spielers kommt in diesem Bereich im Wasser zur Ruhe und der Spieler behauptet, sein Ball läge im Hinblick auf die Grenzziehung durch die Pfähle in zeitweiligem Wasser im Gelände. Stimmt diese Behauptung?

Antwort:
Nein. Der Spielleitung ist zwar ein Fehler unterlaufen, als sie die Grenze des Wasserhindernisses nicht genau festgelegt hat, wie dies nach Regel 33-2a erforderlich ist. Jedoch ist ein Spieler nicht berechtigt, aus einem solchen Fehler Vorteile für sich zu ziehen. Die Forderung des Spielers ist nicht gerechtfertigt, da der Bereich, in dem der Ball des Spielers liegt, klar ersichtlich innerhalb der natürlichen Grenze des Wasserhindernisses ist."

Ich habe zunächst nur die Frage gelesen und hätte sie für mich scheinbar falsch beantwortet - und zwar mit Ja. Schließlich geht man als "Laie" davon aus, dass die Grenzen von Wasserhindernissen so gelten wie sie gesteckt sind.

Eine ähnliche Situation kann - verbessert mich, falls ich falsch liege - bei uns an Loch 2 entstehen. Wenn mich nicht alles täuscht, ist es schon vorgekommen, dass (bei viel Regenguss) das Wasser am rechten Wasserhindernis (bei ca. 170m?, dort ist eine kleine Senke) über die gesteckten Grenzen hinaus gestiegen ist.
Der Decision nach erweitert sich dann dort das Wasserhindernis in seinen "natürlichen Grenzen".

Ich bin aber nicht ganz sicher, ob hier wirklich noch viel vom Teich und angrenzender Bepflanzung (Schilf) zu sehen ist, man also argumentieren könnte, dass die Pfähle eigentlich zu weit nach außen gesteckt sind und das zusätzliche Regenwasser doch als "zeitweiliges Wasser" gelten kann.


Es ist ziemlich kompliziert, aber vielleicht ist es mir doch gelungen mein Problem zu beschreiben. In jedem Fall ist die Decision interessant und ich müsste mir die Situation an der 2 selbst noch mal anschauen, um überhaupt zu sehen wie die Pfähle dort genau gesteckt sind. Vielleicht hat das ja auch jemand genauer vor Augen.


Grüße vom Azubi

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